Was heißt hier nass?

IMPULSE – 6. Februar 2014

Ein Grußwort von Nora Steen zur Einführung der Projektstellen von Sandra Bils und Maria Herrmann am 3.2.2014

 

liebe maria, liebe sandra,

 

am anfang war ein wort und es war kryptisch für mich: kirchehochzwei und ein kongress und viele sitzungen im hkd und im priesterseminar und exceltabellen, plena nach minuten takten und dropbox einrichten lernen. und ich kam dazu und wusste nur, dass ich irgendwas moderieren soll und hatte sonst keine ahnung, nur einen geblockten termin im kalender. da saß eine aparte dunkelhaarige theologin mit markanter brille, die aber eigentlich webdesignerin ist. oder eigentlich theologin und im wirklichen leben webdesignerin? auf jeden fall so ganz anders. ich war verwirrt. und dann die pastorin aus gifhorn, von der ich zuvor nur den pastor-sandy-blog kannte und immer dachte – die ist so am zahn der zeit – dagegen bin ich selbst im 20.jh. stecken geblieben – sandra rauschte rein und raus zwischen gemeinde und kirchehochzwei und ich brauchte einige zeit um die codes zu entschlüsseln. und irgendwann abends beim wein erkannten wir: wir alle sind menschen aus fleisch und blut – manchmal mit tränen, weil wir an kirchlichen strukturen leiden und zugleich unsere kirchen lieben und nicht ohne sie leben wollen und alle bis zum herzrand mit einer sehnsucht nach etwas angefüllt sind, wofür wir nach worten tasten und nur den hauch einer ahnung auf unserer zunge schmecken. das aber schmeckte so verheißungsvoll, dass wir mehr davon wollten und immer noch wollen. kirche hoch zwei eben.

 

am anfang war ein wort und es war kryptisch. kirchehochzwei und menschen um einen tisch deren herz für dieselbe vision schlägt – gott ins leben holen, im hier und jetzt spürbar machen und den staub von den kanzeln klopfen. ökumene mal ganz anders. ohne vorsichtiges herumschleichen um die heißen eisen. einfach auf den takt unserer herzen achten und einen schritt weitergehen als vernünftig wäre.  doch dieser schritt war entscheidend. ein kongress, der über sich hinaus wies. wann ist es je geschehen, dass eine großveranstaltung in einer messehalle zu einer bewegung wird? es war ein bisschen wie urgemeinde in groß. wir waren viele und viele kannten sich nicht, aber es war trotzdem ein familientreffen. man lächelte sich zu, bekannter unbekannterweise. nicht jude, nicht grieche, nicht evangele, nicht katholik, nicht hauptamtliche, nicht ehrenamtliche, nicht sakkoträger mit kreuz am revers, nicht jesusfreaks mit coolen t-shirts, hier waren alle eins in christus.“ so war es. mixed economy. ein pfingstfest des 21. jahrhunderts. fresh expressions, die aus den hinterkammern kirchlicher randexistenzen herausbrachen, sich raum nahmen. „hinter kirchehochzwei kommen wir nicht zurück“ sagte mir danach jemand aus der landeskirchlichen kirchenleitung. doch bis heute hab ich nicht begriffen wie man die hochgestellte zwei in die tastatur hackt… es bleibt als für einige rückständige noch aufholbedarf. kirche mit potenzial will gelernt sein.

 

gut also, dass ihr beiden kirchehochzwei ein gesicht gebt. einen namen schafft. dass ihr mitten drin sein wollt und nicht im elfenbeinturm kirchlicher sicherheit. zwei wasserschäden im neuen büro? ach – schwamm drüber und gummistiefel anziehen. wer nicht nass werden will soll sich unter den schirmen des immersoundnieanderen verkriechen, so matthias sellmann beim kongress. nass werden gehört dazu. sich in den regen der verheißung gottes stellen und offen sein für das, was er uns zeigen will.

 

gut, dass ihr beide diesen weg geht. euch unter dem schirm hervortraut. nass werdet. scheitert. öffentlich dazu steht. die beiden barcamps im letzten herbst haben nicht geklappt. nicht schlimm. aber gut, dass ihr transparent macht, was geschieht. so können wir teilnehmen. wir vielen, deren herz entbrannt ist vor einem jahr im congresscentrum. gut, dass ihr ein stück stellvertretend für uns alle, die oft nur die kraft haben für „ganz normal“ kirche, das hoch zwei eintragt. wir wollen euch begleiten auf eurem weg ins offene. mit gebet, mit dasein, mit ideen und viel, viel freude.

 

nora steen 

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