Aufbruch in einer bislang gut versorgten Dorfgemeinde

 

Ramersbach hat etwas mehr als 600 Einwohner, die meisten davon katholisch. Das Dorf gehört zu einer Pfarreiengemeinschaft mit insgesamt sieben Pfarrgemeinden, die alle relativ dicht beieinander im Ahrtal liegen. Nur Ramersbach liegt etwa acht Kilometer entfernt schon auf den ersten Eifelhöhen.

 

Bis vor kurzem gab es jeden Sonntag eine Heilige Messe in der kleinen Dorfkirche. Die Dorfgemeinschaft ist sehr stark, das Empfinden, bewusst eine Kirchengemeinde zu sein, dagegen schwach ausgeprägt. Kirche wird eher als einer von mehreren Dienstleistern für die Dorfgemeinschaft wahrgenommen. Eigeninitiative in Sachen Kirche gibt es so gut wie nicht. Sichtbar wird es an den kirchlichen Gruppierungen: es gibt neben Pfarrgemeinderat und Verwaltungsrat lediglich eine kleine Messdienergruppe und eine kleine Schola.

 

Die längerfristige Erkrankung einer der drei Pfarrer machte es kurzfristig notwendig, mit Beginn der Fastenzeit die Zahl der Sonntagsgottesdienste in der Pfarreiengemeinschaft zu reduzieren Für Ramersbach bedeutet das, dass es zunächst einmal nur noch alle 14 Tage sonntags eine Heilige Messe geben wird. Faktisch hat das bisher zum Ausfall von zwei Sonntagsmessen geführt, allerdings gab es auch an Gründonnerstag, Karfreitag und in der Osternacht sowie am Ostermontag keine Heilige Messe. Auf Seiten des Pfarrgemeinderates hofft man, dass es sich bei dieser Regelung nur um eine vorübergehende Einschränkung handelt. Nachdem der Beschluss bezüglich der Einschnitte am Aschermittwoch – noch inoffiziell – bekannt geworden war, kam es nach dem Gottesdienst in der Sakristei zu langen Diskussionen mit einem Mitglied des Pfarrgemeinderates, was nun zu tun sei.

 

Am nächsten Tag begann in Hannover der Kongress Kirche². Auf der Fahrt dorthin gibt es mehrere lange Telefonate mit diesem Pfarrgemeinderatsmitglied. Von Seiten des Pfarrgemeinderates stellte sich zunächst eher die Frage: Wie können wir noch nachverhandeln, damit die Versorgung weiter im gewohnten Umfang sichergestellt ist? Aber auch der Anstoß, dass die neue Situation eine Chance sein kann, als Gemeinde selber aus der Taufe heraus Verantwortung zu übernehmen, wurde aufgegriffen, wenn auch zaghaft, weil ungewohnt. In dieser Situation kam der Kongress genau zum richtigen Zeitpunkt, nicht nur durch die vielen Beispiele gelungener Neuaufbrüche und die Ermutigung aus den Foren, sondern vor allem durch Gespräche, die uns geholfen haben, uns klarer über konkrete erste Schritte zu werden.

 

Nach der Rückkehr aus Hannover wächst in Gesprächen mit Gemeindemitgliedern (48 Stunden?) immer deutlicher der Gedanke, die eigene Taufverantwortung wahrzunehmen und daraus hier vor Ort Kirche zu sein.  Es wird ein Treffen vereinbart zu dem unterschiedliche Menschen aus der Gemeinde eingeladen werden sollen. Im Gespräch fallen immer mehr Namen von Menschen, die man dazu ansprechen könnte.

 

Bei diesem Treffen wollen wir uns um das Wort Gottes sammeln, das Bibel-Teilen in den sieben Schritten versuchen. Wir wollen zusammen Kirche zu sein – offen für jeden, wer auch immer da kommen mag – schauend, was hier im Dorf gerade gebraucht wird und immer wieder schauend auf das, was der Herr in der Schrift zu uns sagt. Natürlich kann aus so einer Gruppe dann auch mal die Vorbereitung eines Wortgottesdienstes kommen, aber das war für uns nicht das primäre Ziel.
Schon bis dahin ist jeder einzelne Schritt mit unserem Pfarrer abgesprochen, er weiß von jedem geführten Gespräch und von den Zielen und Vorstellungen und trägt sie mit. Es ist klar, dass wir mit ihm Kirche sind.

 

Zum ersten Treffen kamen dann 11 Menschen bei uns im Wohnzimmer zusammen. Nach einer kurzen erklärenden Einführung haben wir das Evangelium vom übernächsten Sonntag (Die beiden verlorenen Söhne), also dem Sonntag, an dem es zum ersten Mal keine Heilige Messe mehr geben wird, in den sieben Schritten geteilt, gemeinsam gegessen und den Anfang der Vorbereitung eines Wortgottesdienstes für eben diesen Sonntag gemacht.

 

Was als erstes auffiel, war die Dynamik beim Bibelteilen. Das hatte in der Form so noch keiner der Anwesenden gemacht, aber es kam alles und es war deutlich, wer es ist, der zu uns spricht – wie beglückend.

 

Der Wunsch nach einem neuen Termin kam aus der Gruppe heraus. Wir treffen uns ab jetzt alle 14 Tage donnerstags. Die Mit-Teiler haben sich also offenbar nicht überfahren gefühlt, es war eher ein „endlich gibt es so etwas“.  Sicher wird es auch noch Wüsten-Zeiten geben, das ist klar, aber der Anfang lässt doch wirklich optimistisch hoffen.

 

Die Vorbereitung des Gottesdienstes verläuft viel besser als gehofft. Die Spannung, einerseits im Blick zu behalten, dass die Gefahr besteht, dass wir aufhören, Gemeinde zu sein, wenn wir uns nicht mehr als Gemeinde treffen, aber andererseits keine Konkurrenz zur Eucharistie aufzubauen, ist den Anwesenden offensichtlich deutlich. „Nein, wir wollen dann erst einmal keine Kommunionfeier, das wäre nur ein Ersatz. Wir wollen lieber erst mal schauen, wie es sich entwickelt“. Eine deutlich zu spürende Verantwortlichkeit, für das, was wir da tun.

 

Nachdem der Grundgedanke für den Gottesdienst klar ist, übernehmen unterschiedliche Leute die Vorbereitung einzelner Elemente. die dann  bei einem kurzen Treffen in der nächsten Woche zusammengetragen werden. Allen ist klar, dass keiner aus der Gruppe den Gottesdienst leiten wird, sondern jeder mit dem, was er vorbereitet hat, aus der Gemeinde nach vorne tritt. Nach dem Gottesdienst kommen noch fast alle, die mitgefeiert haben, zu Kaffee und Kuchen, den einige Frauen mitgebracht haben, zu uns ins Wohnzimmer. Es ist eng, aber gemütlich und es herrscht eine ganz deutliche Aufbruchsstimmung. Auch wenn kein Mastkalb geschlachtet wird, ist es ein kleines Fest.
Am darauffolgenden Donnerstag trifft sich die Gruppe dann wieder zum BibelTeilen an. Diesmal ist auch eine evangelische Christin mit dabei, die auch ihre Lutherübersetzung gleich mitgebracht hat. Es ist schön, zu erleben, wie unkompliziert Gemeinschaft sein kann. Mit dem sechsten Schritt tun wir uns noch schwer, aber es gibt konkrete Aufgaben und es ist damit ein deutlicher Anfang.

 

Jetzt stehen die nächsten Termine für die Treffen fest und wir sind gespannt, was der Geist auch hier alles bewirken wird. Wir haben die Hoffnung, dass sich aus diesen Anfängen eine Kleine Christliche Gemeinschaft bildet und festigt. Und wir sind dabei zu lernen. Wir müssen ganz scharf darauf aufpassen, nicht als Einzelne das Heft in die Hand zu nehmen und so das, was von den anderen kommt  zu überrollen. Und die Versuchung ist groß. Zu schnell sind wir doch bei dem Gedanken, dass es nicht gut genug wird, wenn wir es nicht selber machen. Und manchmal ist es auch die Faulheit, die einen davon abhält, andere anzuregen und selbständig machen zu lassen.

 

Brigitte & Gregor Doege

 

Wie es in Ramersbach weiterging kann man hier im Fortsetzungsblogpost lesen.

 

 

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