Nur hippe Hülle?

IMPULSE LITERATUR – 8. November 2018

Etwas über 300 Bände umfasst die Bibliothek im Kirchehoch2 Ladenlokal. Vieles im Feld von Kreativität, Management, Organisation – aber natürlich auch Theologie, Ekklesiologie, Kirchenentwicklung. Antonia hat in ihrem Praktikum im Sommer einen Katalog erstellt – und dabei auch die Zeit gefunden in das ein oder andere einen längeren Blick zu werfen. Vor wenigen Wochen hat sie deshalb schon nach Organisation und Kontrollverlust gefragt, hier stellt sie ein theologisches Buch vor, das eine grundlegende Rolle spielt in der Arbeit von Kirchehoch2. 

 

Pluralistisch, chaotisch, zufällig, komplex. Die Welt hat sich verändert und die Kirchen Nordamerikas und Europas sind darauf nur jämmerlich vorbereitet. Sie wenden sich dieser „unvorstellbaren“ Welt mit Strategien zu, die aus dem letzten Jahrhundert stammen, so die These Alan Roxburghs. Sie stellen alte Fragen. Fragen, die allzuoft in einem Monolog enden und bei denen Kirche zumeist der einzige Protagonist bleibt. Kritisch skizziert Roxburgh, wie bei einem solchen Suchen nach Veränderung der Trialog zwischen Kirche, Kultur und Bibel scheitern muss(te).

 

Roxburgh bringt es auf den Punkt: Kirche stellt allzu gerne Kirchenfragen. Überlegungen werden angestellt, in denen vorrangig das Was und das Wie der Kirche im Fokus stehen. Gefangen in einer Art „Christentumsmentalität“ werden biblische Erzählungen und unsere Kulturen in diesem Prozess nur selten zu richtigen Gesprächspartnern. Sie werden vielmehr benutzt: als Objekte von Visionen, Strategien und Zielen. Gemeindeprogramme werden formuliert, die – neu verpackt in Begriffen wie „missional“ und „emergent“ – schlussendlich doch vor allem zu besseren Besucher*innenzahlen in der nächsten Saison führen sollen. Hinter Kirchenfragen verstecken sich eben Kirchenziele.

 

Was führt Gott in unserer Nachbarschaft im Schilde? Was bedeutet es, wenn dort das Evangelium ausgelebt und proklamiert wird? Wie werden wir Teil von dem, was Gott in diesen Kontexten tut? So oder so ähnlich sollten die Fragen Roxburghs Meinung nach lauten. Für ihn ist klar: Nicht durch romantische Universalisierung lernen wir das Evangelium kennen, sondern in den gesellschaftlichen Konstruktionen unseres Lebens, in den verschiedenen Vorstellungswelten der Kulturen, in der Begegnung mit anderen. Missional wird dann nicht zu einem weiteren „to do“ auf der Agenda, sondern zu einer Einstellung, zum einem Lebens- und Gemeindestil. Missional wird zu einem mutigen „Sich-Hineinnehmen-Lassen“ in die Mission Gottes, zu einem „Sich-Treffen-Lassen“ davon – gerade auf momentan vielleicht noch ungewohntem, unvorstellbarem Terrain. Zu einem „Zu-Lassen“ einer Transformation, nicht in erster Linie zu einem Tun. 

 

Auf eingängige Weise beschreibt Alan Roxburgh in seinem Buch „MISSIONAL – Mit Gott in der Nachbarschaft“,s wie ein solcher Lebensstil aussehen kann. Die biblische Wurzel seines missionalen Konzepts bildet dabei das Lukanische Doppelwerk. Er stellt Beobachtungen an, die Lukas` Interaktion mit den Christen der zweiten Generation im gegenwärtigen Fragehorizont relevant werden lässt. Diese Relevanz verliert sich nicht im Weißraum seines Buchs, sondern findet konkrete Gestalt in lebens- und gemeindenahen Ausführungen.

 

Antonia Lelle

 

„MISSIONAL – Mit Gott in der Nachbarschaft leben“

 

von Alan Roxburgh
1. 
Auflage Februar 2012
208 Seiten, Taschenbuch
ISBN: 978-3868273229

Zurück zu den Impulsen

Das könnte dir auch gefallen: