Not als Chance?

IMPULSE – 1. September 2015

Kirchehochzwei hat Zuwachs bekommen, besser gesagt, Nachwuchs, theologischen Nachwuchs.

Seit heute bereichert Julia Schönbeck unser Team  und arbeitet als FSJ‚lerin im Projektbüro in Hannover mit. Hier stellt sie sich vor:

 

Alles fing an mit der Suche nach einer Notlösung. Die Suche nach einer FSJ-Stelle war gescheitert, die Absage kam nach einem halben Jahr Warten und Hoffen. Und nun? Eine Notlösung musste her. Egal welche. Hauptsache eine Stelle. Während ich also neu begann, Bewerbungen für alternativ akzeptable Stellen zu schreiben, kam die von mir selbst belächelte Idee auf, einfach mal bei Kirchehochzwei nachzufragen. Dann ein Telefonat, ein Besuch und plötzlich lag der Vertrag vor mir.

 

Mein Name ist Julia Schönbeck. Ich arbeite seit mehreren Jahren ehrenamtlich in der ev. Jugend in Obernkirchen mit. Ich leite dort eine Theatergruppe und einen Leseclub, organisiere Jugendgottesdienste und begleite Freizeiten und Seminare. Im nächsten Jahr möchte ich in Göttingen mein Theologiestudium beginnen.

Neben der regulären Jugendarbeit haben wir in unserer Gemeinde seit einigen Jahren ganz unbewusst einen Ort geschaffen, den wir heute der Idee einer Fresh Expression zuordnen würden. Gemeinsam mit Konfirmand*innen bauten wir einen alten Bauwagen aus, der nun als „Konfi-Kirche“ unsere Gemeinde prägt. Der Bauwagen bekam einen eigenen Turm, eine Glocke, einen Wasserkocher und zwei Sofas. Heute ist es für uns und unsere Jugendlichen mehr als nur ein Bauwagen. Es ist unsere Kirche. Eine Ort, an dem wir selbst Kirche gestalten, ja einfach Kirche sein können. Und diese Kirche ist genau so, wie wir sie uns wünschen. Sie bietet Raum außerhalb der dicken Steinmauern. Sie macht Mut, ganz selbstverständlich mitzugestalten und sich einzubringen, wo sonst Hemmschwellen stehen. Der Bauwagen wurde zum Ausgangspunkt unserer Jugendarbeit und repräsentiert gleichzeitig unsere Kirchengemeinde in der Öffentlichkeit.

 

Zuerst beschäftigt habe ich mich mit FreshX am Abendbrottisch. Nämlich immer dann, wenn mein Vater von den einzelnen Wochenenden des FreshX-Kurses zurückkam. Ich glaube, diese Abende in der Küche prägen mein Bild von FreshX. Kirche Raum geben, zu entstehen, statt sie umzupflanzen oder zu verkleiden. Menschen den Mut geben, sich mit theologischen Fragestellungen auseinanderzusetzen ohne das Gefühl zu vermitteln, man müsse für ein Mitspracherecht studiert haben. Wir sind Ehrenamtliche. Wir haben bisher praktisch gearbeitet. Wir haben gemacht, was sich gut angefühlt hat. Und plötzlich diskutieren wir am Abend über Theorien von Bonhoeffer oder die Auslegung bestimmter Bibelstellen. Vielleicht entstand in unserer Küche keine neue Gemeinde, aber im Kleinen haben wir doch etwas erreicht. Theologie wurde für uns relevant, praktisch und authentisch.

 

Und nun sitze ich hier. In UNSEREM Büro in Hannover. Ich kann nicht genau sagen, was dieses Jahr passieren wird. Ich wünsche mir ein Jahr voller neuer Erfahrungen, voller Inspiration. Ein Jahr in dem ich sowohl lernen, als auch meine eigenen Erfahrungen und Eindrücke einbringen kann.

Was ist nun also aus der Notlösung geworden? Diese Stelle ist Eines ganz gewiss: mehr als nur eine ungeahnte Alternative. Sie ist eine große Chance, für die ich sehr dankbar bin.

 

Julia Schönbeck

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