Kommt da wer ins Rollen?

IMPULSE – 22. September 2015

Wir haben Menschen getroffen, die ihr Leben für Mission geben.
Wir haben Orte gesehen, die Sicherheit vermitteln.
Wir haben Gemeinschaft erlebt, die Menschen ein neues Zuhause schenkt.

 

16 Menschen. 16 Vorstellungen von Kirche.

 

16 Motivationen nach England zu reisen.

 

 

Vom 09.09.-17.09. waren wir unterwegs, waren wir auf der Suche. Mit einer Gruppe von 16 Leuten haben wir uns auf den Weg gemacht. Wir haben in und rund um London acht Fresh Expressions  besucht, acht Menschen getroffen. Wir haben acht Lebensgeschichten gehört und acht Gemeinden kennengelernt.

Wir durften von ihnen lernen, wie wir auch voneinander lernen durften, ganz im Sinne der ökumenischen Studienreise.

 

St. Andrews

Die Kirchengemeinde St. Andrews Fulham Fields hat im hinteren Bereich ihrer Kirche, hinter einer großen Glasfront, ein Café eingerichtet. Die Herzlichkeit und Gastfreundschaft, mit der das Team den Menschen begegnet, macht dieses Projekt so besonders. Ihre missionarische Arbeit lebt von Präsenz. Wir sprachen mit Lesley, der Pastorin. Sie erzählte uns von ihrem Verständnis von Verantwortung für die Gemeinde. Sie will präsent und ansprechbar sein auf der Straße und in der Nachbarschaft, um Beziehungen aufzubauen und Menschen so zu erreichen.

 

Bilder aus St. Andrews Fulham Fields

 

Hope North & Church @ Five

Im Stadtteil Strawberry Vale durften wir Helen und Ash kennenlernen. Helen, die in der Kirche zunächst als Putzfrau anfing, ist heute Pastorin und hat eine eigene Gemeinde, eine FreshX gegründet. Die Nachbarschaft, in der das Team arbeitet, hat viele Probleme mit Armut und Kriminalität und wird daher von den meisten Menschen eher gemieden. Für Helen und ihr Team, das merkte man ganz stark, sind diese Menschen mehr als nur ein Projekt. Es sind Nachbarn und Freunde. Die Stärke, die sie in ihre Arbeit stecken und die Durchhaltekraft beeindrucken mich sehr.

 

Bilder aus Hope North Strawberry Vale

 

CMS Oxford

CMS ist eine Schule für Pioneers. Wir haben lange über eine mögliche Übersetzung dieses Begriffs nachgedacht. Die Ausbildung soll Menschen dabei unterstützen, mit ihrer ganz eigenen Persönlichkeit einen Weg zu finden, Kirche zu sein und neue Gemeinden zu gründen. Für diese neuen Formen von Kirche brauche es zwei Arten von Menschen: die, die einen neuen Weg finden und die, die ihnen den Raum geben, diesen Weg zu gehen.

 

RegenerateRise

Regenerate Rise – Reaching the Isolated Elderly. Am Samstag besuchten wir ein Projekt, dass ältere Menschen aus der Isolation und Einsamkeit befreien will. Wir selbst durften an einem Nachmittag zum Regierungsjubiläum der Queen teilnehmen. Bei Tee und Kuchen tauschten wir uns mit den Menschen aus, die von ihrer Dankbarkeit für die Angebote sprachen.

 

All saints Chedgrave

Im Kontrast zu den Projekten aus der Großstadt, hat diese FreshX auf dem Land uns noch einmal einen neuen Blickweise eröffnet. Der Pastor vor Ort machte deutlich, dass Gemeinden auf dem Land inklusiver denken müssen. Sie müssen versuchen, für die unterschiedlichen Menschen im Ort ein gemeinsames Angebot zu finden, denn dort ist eben nicht möglich, verschiedene Gemeinden für verschiedene Zielgruppen einzurichten.

Das Team der Gemeinde ließ uns einen „typischen“ Sonntag miterleben, nur eben an einem Montag. Statt nur von ihrer Arbeit zu hören, konnten wir also selbst teilnehmen an einem Kinderprogramm, dem angebotenen Café und dem abschließenden Gottesdienst.

Die beiden Pastoren zeigten sehr deutlich, wie wichtig die Arbeit im Team ist. Sie wollen es Ehrenamtlichen ermöglichen ihren eigenen Platz im Team zu finden und an Aufgaben zu wachsen.

 

Kahaila

Kahaila ist ein Café in einem Stadtteil Londons. Hier wird ganz besonders Wert darauf gelegt, dass sich Menschen wohlfühlen. In dieser Atmosphäre besteht die Möglichkeit, Beziehungen aufzubauen. Die Gäste werden nicht gezwungen, an einem Gottesdienst teilzunehmen. Das Angebot ist da. Das Café bietet die Möglichkeit Menschen kennenzulernen.

Wir sprachen vor Ort mit Paul, der uns von einer neuen Chance erzählte, Menschen für Kirche zu begeistern. „Kannst du uns helfen, anderen zu helfen?“ Menschen kommen zur Kirche, weil sie diese in ihrer Arbeit unterstützen wollen. Die große Aufgabe für Kirche besteht darin, diese Menschen zu unterstützen und ihnen den Raum dafür zu geben.

 

St. Margarets

Diese Gemeinde befindet sich in einem Bankenviertel. Der Pastor der Gemeinde ist der einzige, der in ihm lebt. Alle anderen sind dort, um zu arbeiten. Das Angebot der Kirche passt sich an den Lebensrhythmus dieser Menschen an. Die Kirche bietet einen Raum der Stille vor und nach der Arbeit, es gibt Angebote in der Mittagszeit, Gottesdienste mit offenem Anfang und Ende, sodass jeder zu seiner Zeit kommen und gehen kann und das Angebot, eines persönlichen Gesprächs. Viele der Gemeindemitglieder seien auf der Suche nach Ruhe und Spiritualität, die sie aufgrund ihrer Arbeitszeiten in anderen Gemeinden nicht finden können. Hier bekommen sie die Möglichkeit.

FreshX lebt von Kontextualität. Obwohl St. Margarets selbst keine FreshX darstellt, konnten wir hier lernen, wie wichtig es ist, den Kontext wahrzunehmen und Angebote zu schaffen, die zu den Menschen passen, die wir erreichen wollen.

 

St. Pauls Hounslow

Zuletzt waren wir zu Gast beim Community-Café der Kirchengemeinde St. Pauls in Hounslow. Die Kirche ist fünf Jahre lang geschlossen gewesen, bis vor zwei Jahren die Vikarin der Nachbargemeinde die Entscheidung traf, dort eine Gemeindegründung zu versuchen. Gemeinsam mit einem Team von 30 Freiwilligen startete sie in der Kirche neue Angebote. Die Kirche wurde zu einem Ort, an dem Menschen zusammenkommen können, sich austauschen und kennenlernen. Gottesdienste nehmen die Café-Atmosphäre auf. Die Menschen sitzen an kleinen Tischen zusammen. Es entsteht Kommunikation. Der Gottesdienst wird geprägt von Gemeinschaft und Austausch.

Diese lockere Art passt zu den Menschen in der Nachbarschaft. Das Café ist etwas bekanntes, wohingegen die Situation in einem normalen Gottesdienst fremd ist.

 

Bilder aus St. Pauls Church Hounslow

 

 

Jetzt sind wir wieder zurück. Zurück im Alltag. Zurück in unserem Kontext. Zuhause. Was also können wir mitnehmen? Mir sind drei Dinge, die Einstellung der unterschiedlichen Projekte, ganz besonders im Gedächtnis geblieben.

 

Belonging before Believing. Gemeinschaft vor Glaube.

 

Mission beginnt mit Beziehungen. Menschen treffen und kennenlernen. Wissen, worüber sie nachdenken. Wissen, wovon sie träumen und worum sie sich sorgen. Die Probleme in der Gemeinde wahrnehmen, um Hilfe anzubieten und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Gemeinsam. Wir müssen Beziehungen aufbauen, uns Vertrauen verdienen und erst dann können wir über Glaube sprechen. Erst dann.

 

 

Gift of not fitting in. Das Geschenk, nicht hinein zu passen.

 

Am Anfang stand die Erkenntnis, das Eingeständnis: Ich passe nicht in diese Kirche. Statt aufzugeben, sich zurück zu ziehen entstand die Idee, einen Raum für „Menschen wie mich“ zu schaffen. Immer wieder haben wir ähnliche Anfänge in den Geschichten der einzelnen Projekte gehört. Ich passe hier nicht rein. Wir sind verschieden. Die Konsequenz ist eigentlich einfach: auch Kirche muss verschieden sein, wenn sie vielen Menschen ein Zuhause bieten will. Es gibt kein allgemeines Erfolgsrezept für Kirche und auch nicht für eine Fresh Expression. Wir müssen lernen, Gemeinde wahrzunehmen, Menschen in ihren Lebenswelten wahrzunehmen, um sie genau dort zu erreichen.

 

Wir gehen in neue Lebenswelten. Wir bleiben. Wir finden gemeinsam einen neuen Weg. Wir finden gemeinsam einen Weg, Kirche zu sein auf eine neue Art. Auf unsere Art. „Wir passen hier nicht hin“ steht am Anfang. Jonny Baker, Leiter von CMS, nennt es ein Geschenk, eine Gabe. Dieses Geschenk bietet eine neue Sicht auf die Dinge: Menschen sehen, die andere nicht sehen. Chancen wahrnehmen, die andere nicht wahrnehmen. Wege gehen, die andere nicht gehen können. Authentisch sein.

 

 

Pray. Bete.

 

Bete. Einfacher könnte es nicht sein? Oder? Bete. Es ist so naheliegend. Oder? Vertrauen ist schwer. Probieren, Dinge auf sich zukommen lassen. Mutig sein und vertrauen. In sich selbst und in Gott. Wir können noch viel lernen…

 

Julia Schönbeck

 

Nachtrag:

 

Der Artikel wurde von der Redaktion überarbeitet.

Zudem haben wir im Anschluss ein Magazin zu unserer Studienreise gestaltet: Es gibt einen Überblick über unsere Reise; gleichzeitig beinhaltet es auch einen Leitfaden, wie man selbst eine Studienreise planen und durchführen kann. Viel Freude damit!

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