Was malst du aus?

IMPULSE – 8. März 2016

Es ist Mittwochabend. Ich sitze an meinem Schreibtisch in unserem Büro im schönen Hannover-Linden. Seit gestern morgen ist der Fußweg vor unserem Fenster mit unserer ersten Guerilla-Art Aktion geschmückt. In großen Kreidebuchstaben ist ein Zitat von Gandhi zu lesen.
„You must be the change you wish to see in the world.“

 

Sei du der Wandel. Lebe du die Veränderung. Es ist ein Aufruf zur Aktion, zum eigenen Handeln, Aufstehen, Sich-Einsetzen. Und es ist gleichzeitig eine Unterbrechung – eine kleiner Stillstand im Alltagstrott. Gerade in diesem Moment bleibt eine Frau stehen. Sie liest den Satz laut. Sie schaut auf. Sieht in unser Fenster hinein und betrachtet die Dinge auf der Fensterbank. „Kirchehoch2“, liest sie. „Eine ökumenische Bewegung“. Sie geht weiter.

 

Seit ich gestern mit Kreide bewaffnet auf dem Bürgersteig saß und zu malen begann, sind Leute stehen geblieben. Ein altes Ehepaar, eine Gruppe Schüler, zwei Handwerker, die Frau von eben, ein Vater mit seiner kleinen Tochter. Ich weiß nicht, was in ihren Köpfen geschieht, warum sie anhalten oder was sie denken. Ich weiß nicht, ob sie sich freuen, ob es sie wirklich nachdenklich macht und ihre Alltagsgedanken für einen kurzen Moment durchbricht, ein kleines Schmunzeln, ein interessierter Blick. Ein Langsamer-Werden, Stehenbleiben. Ich weiß es nicht, aber ich darf ahnen…

 

„You must be the change.“ Sei Du der Wandel, lebe Du die Veränderung, die Du dir für diese Welt wünscht. Hör auf, nur von anderen zu sprechen und werde aktiv. Selber machen, sich einsetzen, Position beziehen. Wofür lohnt es sich? Was liegt Dir am Herzen? Welcher Vision folgst Du?

 

Veränderungen und Aufbrüche wagen, mutig, engagiert, stark.

 

Wir wollen Pionier*innen in diesem Jahr zu einer besonderen Form der Exerzitien einladen: Mit sogenannten Gründerexerzitien wollen wir ein Angebot schaffen, für alle, die sich auf Aufbrüche eingelassen haben. Wir möchten sie bei dieser Suche, bei diesem Unterwegs-Sein begleiten. Es geht um Alltagspausen, um Rückblicke und Ausblicke, um Erfolge und Scheitern, um Bestätigung. Um Zur-Ruhe-Kommen.

 

Wir haben in den letzten Jahren zwei FreshX-Kurse begleiten dürfen. Wir haben Menschen kennengelernt, die auf der Suche waren. Sie waren, sie sind auf der Suche nach einer Form von Kirche, die für sie richtig ist. Authentisch, kontextuell, relevant. Es ist ein großes Geschenk für uns, an vielen Stellen mitzuerleben, was aus den Ideen und Visionen geworden ist. Diese neuen Wege zu gehen hat Mut gefordert und tut es weiter.

 

Wir wollen gemeinsam zurück blicken und auch nach vorn. Aufbauen und ermutigen, denn: Ist es nicht schön, zu wissen, dass andere mit einem unterwegs sind, vor denselben Fragen stehen und Antworten suchen?

 

Vor unserem Fenster bremst ein kleines rosa Fahrrad. Die Stützräder klappern, als das Rad zum Stehen kommt. Das Mädchen steigt ab und kniet sich hin. „Guck mal Papa! Da hat einer was gemalt!“ Sie lacht und ich tue es auch.

 

Julia Schönbeck

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