Gelinkte Wege?

IMPULSE – 6. September 2018

„Heute Kirche von morgen werden.“ Na endlich, denke ich, folge dem Pfad und staune. Etwa zwanzig Minuten und fünf Euphorieschübe später ist mir klar: Ich muss mich irgendwie mit Kirchehoch2 in Verbindung setzen.

 

An einem Sonntag, diesem Tag, an dem man sich heilig treiben lassen kann, hatte ich Sehnsucht. Sehnsucht nach einer Kirche, die mir nicht fremd ist, die sprachlich schön und nah bei den Menschen ist. Deshalb kam ich auf die Seite von Christina Brudereck, und unter ihren „Lieblinks“ fand ich unter der oben zitierten Überschrift einen weiterführenden Link zu Kirchehoch2. Das war, als es noch die alte Website gab. Ich beschloss, dass meine nächsten Semesterferien der optimale Zeitpunkt für ein Praktikum bei Kirchehoch2 wären.

 

Und jetzt, im Rückblick auf vier Wochen Praktikum, kann ich sagen: Optimale Zeit. Es war sehr wohltuend für mich, die vielen Gedanken zu einer Kirche von morgen zu hören. Menschen kennenzulernen, die eine Leidenschaft haben, die gerne um mehrere Ecken denken. Und die glauben, dass Visionen Wirklichkeit werden können, geistgetrieben.

 

Welche Fragen haben sich bei mir ergeben?

Naja, erstmal musste ich durch die Mitarbeit an der neuen Website ziemlich viele Fragen aus den alten Blogeinträgen herauslesen und für mich bewegen. „Was trauen wir uns?“, „Gottes Gegenwart in Raum und Zeit?“, „Über welche Lücke springst du?“. Auch über diese nun schon älteren Fragen lohnt es sich nachzudenken. Sich anstoßen lassen von dem, was schon gewesen ist.

 

Eine Frage, die sich für mich durch alles hindurchzieht: Was braucht der Mensch? Wie können Begegnungen geschaffen werden, in denen Menschen sich öffnen? Wie werden Räume und Zeiten kreiert, in denen ein heiliges Sich-Treiben-Lassen möglich wird?

 

Und ansonsten? Ich mag gute Theologie. Aber ich denke, dass sich gute Theologie auch dadurch auszeichnet, dass sie bereit ist, von anderen Fachbereichen zu lernen. Deshalb frage ich mich: Was können wir von nicht-theologischen Fachbereichen lernen? Wie können wir uns mit ihnen verlinken? Wie können wir die schon vorhandenen Verlinkungen heben und eine respektvolle Atmosphäre des Von- und Miteinander-Lernens schaffen?

Abschließend möchte ich gerne Max Frisch mit seinem Protagonisten Stiller fragen lassen: „Was heißt Tradition? Ich dächte: sich an die Aufgaben seiner Zeit wagen mit dem gleichen Mut, wie die Vorfahren ihn gegenüber ihrer Zeit hatten.“ (Stiller, S.246)

 

Mir bleibt ein Herz voll elektrisierender Eindrücke. Danke. Manchmal wird man wohl um die Ecke gelinkt.

 

Marie Janssen

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