Geht’s auch fresh in der Schule?

IMPULSE – 10. September 2014

Als ich im September 2013 mein berufsfeldrelevantes Praktikum im Rahmen meines fächerübergreifenden Bachelorstudiengangs (Musik / Ev. Theologie) bei den Missionarischen Diensten im Haus kirchlicher Dienste absolviert habe, hatte ich noch keine Ahnung, welche Früchte die dortigen Erfahrungen schon wenig später tragen würden – insbesondere meine zahlreichen Eindrücke zu den „fresh expressions of church“ (FreshX) im Zuge des ökumenischen Kongresses Kirchehoch2, welcher im Februar 2013 in Hannover stattfand und dessen Effekte ich im Praktikum spüren konnte.

 

Schon wenige Monate später, im März 2014, trat ich mein Allgemeines Schulpraktikum am Gymnasium Halepaghen-Schule in Buxtehude an. Bereits in der ersten Doppelstunde, die ich beim Oberstufenkurs Ev. Religion hospitiert habe, ging es um die Frage, ob ein Christ auf die (Institution) Kirche angewiesen ist und ob die evangelische Kirche heute noch zeitgemäß ist. Hierbei kam mir direkt die Idee zu einer eigenen Unterrichtsstunde zum Thema „Moderne Formen von Kirche und gelebter christlicher Glaube“ in den Sinn.

Ich entschied mich ins Zentrum der Unterrichtsstunde vier FreshX-Projekte zu stellen, die von den Schüler*innen hinsichtlich ihrer spezifischen Ideale und Gemeinsamkeiten untersucht werden sollten. Die vier Projekte waren die Junge Kirche Berlin Treptow, die Jesusfriends Hamburg, der CVJM e/motion e.V. und Nebenan in der Platte. Für den Stundeneinstieg sollte ein Portraitvideo vom Expowal Hannover. Anstatt nun die detaillierte Stundenplanung, das antizipierte Tafelbild und sonstige pädagogisch-didaktische Überlegungen darzustellen und/oder auszubreiten, mache ich mir lieber Gedanken über die gewünschte Atmosphäre bzw. die möglichen Effekte vor, während und nach dieser Unterrichtsstunde.

 

Da steht erst einmal die zuständige Lehrkraft dieses Oberstufenkurses, welcher zusätzlich als Fachleiter für Ev. Religion am Studienseminar in Stade tätig ist. Dieser war bereits in meiner Vorbereitung sehr interessiert und offen für dieses Neue – für FreshX. Meine eigene Begeisterung und Überzeugung für FreshX– insbesondere für den Expowal – hat er sofort gespürt, sodass ich diese mit Hilfe seines fachkundigen Rates für die Unterrichtsstunde nutzbar machen konnte.

 

Die Lerngruppe war dem Thema gegenüber aufgeschlossen und hatte direkt nach dem Abspielen des Expowal-Video Interesse daran zu erfahren, wie Kirche auch heute schon „ganz anders“ stattfindet – und was eine FreshX eben „anders“ macht. Mit einer Mischung aus Verwunderung und Skepsis erarbeiteten die Schüler*innen in Gruppenarbeit die vier Projekte mit Hilfe von Textauszügen ihrer Homepages und Zitaten der jeweiligen Mitarbeitenden und stellten sie ertragreich im Plenum vor.

 

Mir selbst hat diese Unterrichtsstunde gezeigt, welch großes Potential FreshX für die Schule und für den Religionsunterricht bietet. Thematische Anknüpfungspunkte sind in den Kerncurricula zweifelsfrei gegeben. Dem theoretischen und praktischen Entwickeln einer eigenen FreshX seitens der Schüler*innen sind mit der entsprechenden didaktischen Aufarbeitung von einer einzelnen Doppelstunde bis hin zu einer ganzen Lerneinheit keine Grenzen gesetzt.

 

Michael Becker

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