Brigitte & Gregor Doege schreiben, wie es nach den ersten Erlebnissen weiter geht… 

 

Seit den ersten Anfängen in Ramersbach ist es jetzt etwas mehr als ein halbes Jahr her. Wie schnell die Zeit vergangen ist und wie viel in diesem halben Jahr geschehen ist!

 

Aus der Gruppe, die sich anfangs getroffen hat, sind inzwischen zwei Gruppen geworden. Die eine mit einem festen Stamm von acht Leuten und einigen, die hin und wieder mal mit dabei sind, trifft sich alle 14 Tage donnerstags zum BibelTeilen, die andere, die sich etwa zur Hälfte aus sechs BibelTeilern und zur anderen Hälfte aus verschiedenen anderen Gemeindemitgliedern (häufig auch Jugendlichen) zusammensetzt, an den dazwischenliegenden Donnerstagen, um die Wortgottesdienste vorzubereiten. Es wurde sehr schnell klar, dass der sechste Schritt beim BibelTeilen so viel Raum einnimmt, dass keine Zeit mehr für die Gottesdienstvorbereitung bleibt, wenn wir nicht bis weit nach Mitternacht zusammensitzen wollen.

 

Während bei den ersten Treffen der sechste Schritt noch etwas schwierig war und eher schleppend anlief, hat sich inzwischen eine unheimliche Dynamik entwickelt.

 

Die evangelische Christin in der Gruppe unseren Blick auf zwei Familien gelenkt, die im Dorf am Rande stehen, weil sie systematisch ausgegrenzt werden, teilweise auch durch wirklich bösartige Gerüchte, die über sie in Umlauf sind. Für die ältere Tochter der einen Familie konnte der Kreis kostenlosen Klavierunterricht und eine Möglichkeit zum Üben organisieren. Ihr Wunsch, Klavier spielen zu lernen war bisher an den Finanzen und am fehlenden eigenen Klavier gescheitert. Außerdem versuchen wir, in Gesprächen den Gerüchten entgegenzuwirken. Zur der zweiten Familie versuchen wir gerade, vorsichtig Kontakt aufzubauen.

 

Die 16jährige Oberministrantin äußerte beim sechsten Schritt den Wunsch, aus den Messdienern eine richtige Jugendgruppe zu machen, allerdings fehlte ihnen dazu ein gemütlicher Raum, um sich zu treffen. Es gibt zwar im ehemaligen Schulgebäude einen Raum, den die Gemeinde für die Jugendlichen angemietet hat, aber der ist eher ungemütlich und die Hürden, um den Schlüssel zu bekommen, sind so hoch, dass der Raum faktisch nicht genutzt wird. Deshalb soll der Mietvertrag zum Jahresende gekündigt werden.

Aus der Gruppe kam das Angebot an die Jugendlichen sich eine lehrstehende Einliegerwohnung (eine großer Raum, Küche, Bad und WC) im Erdgeschoss eines Wohnhauses als Jugendraum herzurichten. Zu Beginn der Sommerferien wurde der Raum von den Jugendlichen gestrichen, aus einer Wohnungsauflösung gab es günstig ein fast neues schwarzes Ledersofa, Couchtisch, Regale und, als wichtigsten Einrichtungsgegenstand, einen Fernseher brachten die Jugendlichen mit. In der Küche steht bisher erst ein Kühlschrank, ein Herd soll aber noch dazukommen. Am Ende der Ferien konnte unser Pastor den neuen Jugendraum einsegnen und die Jugendlichen feierten am letzten Feriensamstag die Einweihung. Damit die Jugendlichen den Raum ohne großen organisatorischen Aufwand nutzen können, hat die Oberministrantin einen eigenen Schlüssel zu der Wohnung hat, ein zweiter Schlüssel ist im Dorf so deponiert, dass ihn sich die Jugendlichen mühelos abholen können.

 

In Ramersbach gibt es zurzeit nur drei Personen, denen unser Diakon einmal im Monat die Krankenkommunion bringt. Im sechsten Schritt kam zur Sprache, dass viele ältere Menschen gar nicht von der Möglichkeit der Krankenkommunion wissen bzw. Krankenkommunion und Wegzehrung verwechseln: „Wenn der Diakon kommt, dann denken die Nachbarn, ich bin nächste Woche tot!“ Nach Absprache mit Pastor und Diakon wollen wir versuchen, die älteren Dorfbewohner besser zu informieren und sie zu ermutigen, sich die Kommunion bringen zu lassen, wenn sie nicht mehr am Gottesdienst teilnehmen können. Wir werden dazu alle Gemeindemitglieder über 70 Jahre, die wir schon längere Zeit nicht mehr beim Gottesdienst gesehen haben, mit einem Infoschreiben besuchen. Wer sich für die Krankenkommunion anmelden möchte, kann dies entweder mit einer beigefügten Antwortkarte tun oder sich bei einer Dame aus unserem Kreis anmelden, die auch die Messintentionen entgegennimmt. Wir denken, dass die Hemmschwelle, bei ihr anzurufen, geringer ist, als im Pfarrbüro der Pfarreiengemeinschaft in Ahrweiler.

 

Beim letzten BibelTeilen kam die Anregung, mit einigen (wenigen) Erwachsenen und Jugendlichen aus allen Altersgruppen zu überlegen, ob man nicht einmal im Monat im Jugendraum ein festes Angebot macht. Dazu soll es nächste Woche ein erstes Treffen geben, bei dem wir die Wünsche und Vorstellungen der Jugendlichen erfragen wollen. Uns ist bewusst, dass wir uns da auf einem schmalen Grat bewegen, wir würden die Jugendlichen gerne unterstützen, ohne ihnen etwas überzustülpen. Mal schauen, was sich aus dem ersten Treffen entwickelt.

 

Zu den Wortgottesdiensten kommen inzwischen konstant etwa 30 Gemeindemitglieder, wobei auch ein paar dabei sind, die man sonst eher nicht im Gottesdienst sieht. Während des Urlaubs unseres Organisten haben wir begonnen, die musikalische Begleitung selbst zu organisieren. Angefangen haben wir mit einer Gitarre und einer Querflöte. Dann kamen Anfragen: „Darf ich auch mitmachen?“, so dass wir auf zwei Gitarren, Querflöte und Klarinette kamen. Beim letzten Gottesdienst meldeten sich dann noch zwei Kinder, die seit etwa einem Jahr Saxophon lernen. Jetzt wird es wohl langsam Zeit, regelmäßige Proben zu organisieren. Die erste soll am kommenden Samstag stattfinden.

 

Natürlich stoßen die Aktivitäten unserer KCG (dazu haben wir uns inzwischen wohl entwickelt) nicht nur auf Gegenliebe. Im Pfarrgemeinderat gibt es vor allem zwei Vorwürfe, denen wir uns ausgesetzt fühlen: Dass wir mit den Wortgottesdiensten verhindern würden, dass es wieder jeden Sonntag eine Messe gibt. Und auch Skepsis uns und unserem „sektiererischen“ Treiben gegenüber schlägt uns immer wieder entgegen. Zum Glück ist aber die Dynamik in der Gruppe ganz deutlich so, dass wir uns von solchen Gegenwind nicht entmutigen lassen.

 

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