„Was ist jetzt wichtig?“ oder: Ein Abgesang.

Allgemein IMPULSE – 2. März 2019

Das waren sie also: meine vier Wochen Praktikum bei Kirchehoch2.

 

Ich verlasse Hannover mit einem Koffer voller Eindrücke, Begegnungen, Inspirationen. Mit neuen Fragen und alten, die sich wieder neu stellen. Und nicht zu vergessen: einem Twitter- Account (@amknappsten) als kleines Symbol für die Netzwerke, in die ich in den letzten Wochen eingetaucht bin, und mit denen ich gerne auch in Zukunft weiter verbunden bleibe, um gemeinsam darüber nachzudenken, wie Kirche heute gesellschaftlich relevant gelebt und gestaltet werden kann.
Einiges, was mich in dieser Zeit bewegt hat, spiegelt ein kleines Gedicht frei nach Prediger 7 wider, das in meiner ersten Woche Praktikum im Vikariats-Seminar entstanden ist.

 

Er ist schon da
Klirrende Kälte, welke Blätter, spitz der Stein und störend das Geräusch der Straße
Er ist nicht da
Sei nicht allzu gottlos und sei kein Tor
Da ist strahlende Sonne, dort zirpende Vögel, das Rauschen des Windes
Bist du denn da
Bin ich hier richtig, was ist jetzt wichtig
Sei nicht allzu gerecht und nicht allzu weise, damit du dich nicht zugrunde richtest
Er ist schon da

 

Ich gebe zu, ich habe eine Weile gezögert, ob ich diesen Text hier veröffentlichen soll, denn natürlich ist er keineswegs perfekt. Die Reime sind simpel, das Metrum nicht klar erkennbar. Aber als ich mich dann bei dem Gedanken ertappte, „ein Gedicht zu schreiben passt doch gar nicht zu mir, das habe ich ja noch nie gemacht“, musste ich schmunzeln, denn dabei wurde mir klar, dass diese Zeilen genau für drei Dinge stehen, die ich mir für eine Kirche der Zukunft und auch für meinen eigenen Weg wünsche:

 

  1. Den Mut, verrückt zu sein und Neues auszuprobieren, über Altbekanntes hinauszugehen, selbstauferlegte Normen und Verbote zu sprengen und echte Freiheit im Träumen und Gestalten zu wagen.
  2. Die Möglichkeit und die Erlaubnis, dabei Fehler machen zu dürfen und eine Kultur des Unperfekten und der Fehlerfreundlichkeit zu pflegen und zu etablieren, weil wir dann vielleicht auch das Allgemeine Priestertum konsequenter durchsetzen können. Gedanken, die Sabrina Müller auf der Fresh X-Tagung in Kassel formuliert hat.
  3. Mehr Gelassenheit, was unsere Zukunft betrifft. Weniger Klammern am Status Quo aus Angst, dass die Kirche, die wir bis jetzt kennen, verloren gehen könnte. Denn wer, wenn nicht wir als Kirche, sollte von einem tiefen Vertrauen und Hoffnung geleitet sein? Egal, wohin der Weg führen wird, was sich unterwegs alles ändern wird, das wir heute noch nicht erahnen können: ER ist schon da.

 

Damit danke ich Kirchehoch2 für diesen inspirierenden und spannenden letzten Monat.

 

Aline Knapp

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