Hatte meine Kongressteilnahme irgendwelche Auswirkungen auf meine konkrete Arbeit? „Nein“, war ich eine ganze Zeit geneigt zu sagen oder zumindest „Kaum!“. Viel mehr als ein paar Kontakte, die vor allem über Twitter geblieben und mir sehr wertvoll sind (wie schon bei Kilian Martin angemerkt) , schien nicht hängen geblieben zu sein. Und das mit dem Geocaching vielleicht, über das ich an anderer Stelle bereits geschrieben habe. Jetzt, nach etwas intensiverem Hinschauen und Beobachten, sehe ich meine Einschätzung etwas differenzierter: Immer wieder rutscht mir beispielsweise ein „In Hannover bei Kirche² …“ heraus …

 

Der Kongress war anders als andere Fortbildungen oder Konferenzen. Es wurde weder ein bitteschön umzusetzendes Konzept vorgestellt, noch eines gemeinsam entwickelt, um anschließend erfolglos in den Akten zu verschwinden. Es war eher so wie in dem klugen Satz von Antoine de Saint-Exupéry: „Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer und Frauen zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“

 

Worin äußert sich etwas von diesem Ungreifbaren einer Sehnsucht in meinem Arbeitsalltag?

Schon vor dem Kongress hatte ich meinen irgendwann mal eingerichteten Twitteraccount in Besitz genommen und auch während der drei Tage in Hannover intensiv genutzt. In einem der Workshops zum Thema Kirche und Social Media erzählte Pfarrer Horst Peter Pohl, den ich schon als @pfarrerpohl von Twitter her „kannte“, wie er Homepage, Blog, Facebook und eben Twitter für seine Arbeit und die Beziehungspflege nutzt. Unter anderem schickt er verlässlich jeden Morgen via Twitter nach einem

»Guten Morgen, Welt!« und »Guten Morgen, lieber Gott!«

Grüße an einige Menschen, die ihm aufgefallen sind. Diese Idee finde ich einfach nur klasse!

 

Mir genau das abzugucken hatte und habe ich nicht vor. Aber: Segenswünsche spielen in meiner Arbeit mit Menschen unterwegs eine große Rolle. Ungeplant, eher zufällig, habe ich so morgens begonnen, einen guten Wunsch, eine Art Segenswunsch, zu twittern. Das macht mir Spaß, geht mir leicht von der Hand, und wie ich aus Rückmeldungen erfahre, kann der eine oder die andere durchaus etwas damit anfangen! Es ist für mich auch immer wieder spannend und faszinierend, was und wie viel in 140 Zeichen über eine Person zu erfahren ist an Freude und Leid, Fragen und Gedanken. Twitter ist für mich ein Medium, dass ich in den letzten Monaten sehr zu schätzen gelernt habe und das ich nicht mehr missen möchte!

 

Mein Versuch, doch endlich auch eine Facebook-Seite einzurichten, ist allerdings gescheitert: hätte ich die Daten nicht irgendwo abgespeichert, wären Account-Name und Passwort (bereits zum zweiten Mal) von mir für immer vergessen worden. Es scheint einfach nicht mein Medium zu sein.

 

Das Bloggen hingegen schon: Sowohl für meine Arbeit in der Urlauberseelsorge als auch für das Dekanat hatte ich bereits vor einiger Zeit Blogs eröffnet. Beide – eigentlich – mit dem Gedanken, dass mehrere Personen daran schreiben könnten, was sich allerdings als ein wenig realistischer Wunsch erwiesen hat. In den letzten Wochen habe ich nun begonnen, meine Seiten ein wenig mehr mit Inhalt zu „füttern“. So verstauben nicht mehr alle einmal erstellte Texte in realen oder virtuellen Ordnern. Kranke oder aus anderen Gründen verhinderte Pilger_innen können so beispielsweise von zu Hause aus in Gedanken einen Weg mit gehen und so in gewisser Weise mit „dabei sein“. Ob ich bei dieser Form der Onlinepräsenz dabei bleibe und die Seiten auch auf Interesse stoßen, wird sich zeigen.

 

Zu den Nachwirkungen von Kirchehoch2 gehört auch, dass ich überraschenderweise von Leuten auf Themen angesprochen werde, von denen ich ihnen unmittelbar nach dem Kongress erzählt hatte. SIE hat es weiterbewegt! Ideen, die ich selbst nicht so intensiv weiterverfolgt habe, wurden und werden von ihnen im Blick behalten und bekommen so wiederum für mich – wie beim Pingpong – eine neue Dynamik.

 

Zu guter Vorletzt (was noch kommt, lasse ich offen) bewegt mich auch die Idee der Fresh Expressions. Ist das, was wir beispielsweise mit der Kirche Unterwegs auf den Campingplätzen oder beim Pilgern machen, nicht etwas, das in diese Richtung geht? Wir erreichen damit durchaus „neue Lebenswelten“, sind „vom Evangelium geformt“, haben „bleibende Kennzeichen von Kirche“ und sind „relevant für einen bestimmten kulturellen Kontext“ – wenigstens auf Zeit. Auch „eine eigene, reife Form von Gemeinde“ werden zumindest diejenigen, die über eine gewisse Zeit dabei sind. Wechselnde Gäste schließt das ja nicht aus.

Vielleicht weisen mir die Videos der Plenarveranstaltungen des Kongresses, die nach und nach online gestellt werden, und die ich sehr gerne noch einmal sehen möchte, ja die Richtung, ob unsere Arbeit tatsächlich bereits in eine solche Richtung geht und wie wir bereits vorhandene FreshX-Merkmale noch stärker zur Geltung verhelfen können.

 

Anknüpfend an meine oben gestellte Frage nach den Auswirkungen von Kirchehoch2 ist das doch so einiges: eine stärkere, gezielte Nutzung des Web 2.0, Anregungen, die von mir und anderen aus meinem Arbeitsumfeld weiterverfolgt werden und ein neuer Blick auf die eigene Arbeit. So gesehen haben die drei Tage in Hannover mich nicht nur an der Oberfläche begeistert, sondern meine Arbeit in gewisser Weise durchdrungen. Und da war doch mal irgendwas mit Sauerteig …

 

Andrea Rehn-Laryea,
Urlauberseelsorge in der Lüneburger Heide

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